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Regelmäßig erscheinende Artikel über gemeinsame Projekte  mit der 120 km weit entfernten, christlichen Schule „Etablissement Daniel“ im Elsaß (Tagesausflüge, Lehrerwochenende, Brieffreundschaften) haben bei Ihnen, liebe Leser, vielleicht den - richtigen! - Eindruck erweckt, dass die Zusammenarbeit zwischen beiden Schulen seit Jahren Kontinuität aufweist. 

 Bevor wir Ihnen von unserem letzten einschneidenden Ereignis, dem gut zweiwöchigen Besuch der französischen Elftklässler an der FES, berichten, möchten wir die Bedeutung und Vorteile unserer deutsch-französischen Schulpartnerschaft grundsätzlich umreißen:

  Eine Brieffreundschaft in den ersten zwei Lernjahren ermöglicht es dem Schüler, seine „jungen“ Französisch-Kenntnisse in einer authentischen und interkulturellen Kommunikationssituation in die Praxis umzusetzen, zu festigen und zu vertiefen.

  Gemeinsame deutsch-französische Tagesausflüge, z.B. nach Straßburg,  sind sodann eine gute Gelegenheit, den Briefpartner näher kennenzulernen, sich mit ihm zu unterhalten, Gemeinsames zu entdecken und zusammen aktiv zu sein.

  Ab der 9. Klasse werden unseren Schülern deutsch-französische Sprachaufenthalte von mindestens zwei Wochen Dauer angeboten. Die Teilnehmer haben dabei die Möglichkeit, sich einen Einblick in den Schulalltag des Etablissement Daniel sowie in das Alltagsleben der französischen Gastfamilie zu verschaffen Hierbei wird vor allem die mündliche Sprachkompetenz, aber auch die kulturelle Kompetenz grundsätzlich gefördert. Übrigens gehört das Mündliche zur Abschlussprüfung der Realschule und seit Neuestem auch zum Abitur neben dem Schriftlichen.
 
 Darüber hinaus möchten wir, dass unsere Schulpartnerschaft durch die angebotenen Begegnungen und Sprachaufenthalte dazu beiträgt, den Schülern folgende christliche Werte konkret zu vermitteln und somit  charakterschulend zu wirken:
 
 Eine alle Grenzen überwindende Nächstenliebe, z. B. nach 5. Mose 10, Verse 18 und 19: „Er (Gott) liebt die Fremden…auch ihr sollt die Fremden lieben!“.
 
 Eine u.a. für die Verbreitung der guten Nachricht notwendige Offenheit gegenüber anderen Kulturen, von der auch der Missionsauftrag in Matthäus 28, Vers 19 spricht: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“.
 
 Gastfreundschaft selbstverständlich, wie im 1. Petrus-Brief, Kapitel 4, Vers 9: „Seid untereinander gastfreundlich, ohne zu murren“.
 
 Flexibilität und Einfühlungsvermögen nach dem Prinzip von 1.Korinther 9, Vers 19: „Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen“.
 
 
Und nun zum Umsetzen dieser grundlegenden Ideen: Im November hat die FES zum ersten Mal zwei Wochen lang sieben französische Gastschüler empfangen. Für die französischen Elftklässler mag es eine echte Herausforderung gewesen sein, ins Sprachbad einzutauchen, d.h. einerseits im normalen Unterricht mitzukommen und sich andererseits in der deutschen Gastfamilie einzuleben.  
 
So waren die barocken Gedichte von Andreas Gryphius z.B. eine wahre Herausforderung für die französischen Gäste. Sie konnten den Deutsch-Unterricht in Klasse 10 dann allerdings um Kenntnisse des zeitgleich stattfindenden „Grand siècle“ in Frankreich bereichern. Im Französisch-Unterricht übten sie Alltags-Dialoge mit den FES-Schülern, erklärten Vokabeln und die französische Geographie oder ermöglichten Lektüre einmal ohne CD.
 
Und was das Mitleben in der deutschen Gastfamilie anbelangt, so war es für die Franzosen buchstäblich „wie im wirklichen Leben“: Eine Taufe, ein 16. und ein 18. Geburtstag wurden miterlebt und leider kam es sogar zu einem kurzen Krankenhausaufenthalt.
 
Für Entspannung allerdings sorgten die kulturellen Ausflüge nach Freiburg, Stuttgart und Heidelberg bei meist angenehmem Herbst-Wetter.
 
Am besten wird sein, die Hauptakteure dieses Austauschprogramms selbst zu Wort kommen zu lassen:
 
Aus einer deutschen Gastfamilie:„Der Besuch der „Franzosen“ ist eine Erfahrung, die wir gern wiederholen würden. Nun gut, die Austauschschüler sollen die Sprache des anderen Landes vor Ort und live erleben und so besser lernen, aber das alles ist vielleicht eher zweitrangig. Das passiert sowieso und es findet gewissermaßen spielerisch und so nebenbei statt. 
Am wichtigsten und nachhaltigsten sind die schönen Momente in der Gastfamilie, die vielen Male, wo die Situationskomik alle zum Lachen bringt, das Verwechseln von Wörtern, das Herausfinden der richtigen Wörter, die Aha-Erlebnisse, etc. 
Gemeinsame Mahlzeiten, Autofahrten, Stadtbummel, Fahrten zur Schule und wieder zurück, immer wieder viel Spaß zu Hause, die Zurückhaltung verschwindet nach und nach und man wird persönlicher im Umgang und vertrauter. Könnte eigentlich so bleiben. Schade, dass A. wieder gehen musste. Noch ein wenig länger und sie hätte zur Familie gehört.
Wir finden, dass A. sehr gut Deutsch spricht - und, was wichtiger ist: dass sie durch ihre freundliche und natürliche Art unser Herz gewonnen hat.“
 
Ein Gastschüler des Etablissement Daniel: „Meine Einstellung gegenüber der deutschen Sprache hat sich verändert. Ich glaubte zuerst, dass ich kein einziges Wort Deutsch sprechen könnte. Es hat sich aber herausgestellt, dass ich mit der deutschen Sprache recht gut klargekommen bin.“
 
Abschließend eine Schülerin der FES: “Es war eine sehr schöne Zeit, zusammen mit den Austauschpartnern. Man konnte viel auch über die Kultur von Frankreich lernen und man war als Deutscher gezwungen, mal wieder langsam zu reden.“
 
Die Fortsetzung unserer deutsch-französischen Projekte folgt selbstverständlich!
 

 

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